Christine allein in New York – Reisebericht Teil 4

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Christine allein in New York, Teil 4

Es ist Freitag, der 08. Dezember 2017 und ich wache in meinem Apartment in New York auf. Der gestrige Tag in den Hamptons war einfach wundervoll und ich habe jede Menge schöne Erinnerungen gespeichert. Leider habe ich mir auch eine Erkältung eingefangen. Mein Hals kratzt, meine Nase ist dicht und auch mein Körper will nicht so, wie ich – ich fühle mich total schlapp.

Eigentlich wollte ich ja heute das 9/11 Museum besuchen und anschließend auf der High Line spazieren gehen. So sehr mein Kopf und mein Herz sich auf die heutigen Erlebnisse freuten, mein Körper wollte einfach nicht mitmachen. Ich wusste ganz genau, wenn ich heute losziehe war´s das und ich liege den Rest meines Urlaubs krank im Bett. Da ich wusste, dass ich diese Herausforderung verlieren würde, hörte ich also auf meinem Körper und beschloss ihm für den heutigen Tag Ruhe zu gönnen. Auch meinen Füßen würde das gut tun, die Blasen von den ersten Tagen waren nämlich noch nicht abgeheilt. Nach viel Schlaf, einer großen Portion Ruhe, einer Menge Tee und frischem Obst war ich am Samstagmorgen dann wieder soweit fit, um mich auf weitere magische Momente in meiner Traumstadt einzulassen.

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In meinen vorherigen Blogs fehlte eigentlich nur der Schnee zur Vorweihnachtszeit. Doch mein New Yorker Weihnachtsmärchen sollte auch hier noch zu einem Happy End kommen. Als ich aus meinem Fenster schaue, kann ich zusehen wie mein Balkon und der nebenstehende Baum sich mit immer mehr Schnee verkleiden.

Ich packe mich warm ein und verlasse gegen Mittag mein Apartment, um mich zu Fuß auf den Weg ins nächste Shoppingcenter zu machen. Nach 10 Minuten Fußweg habe ich mein Ziel erreicht und befinde mich, wie ich in den darauffolgenden Stunden feststelle, im absoluten Schnäppchenparadies.

Einen Karl Lagerfeld Blazer für 25 Dollar, wo gibt es denn sowas? Und ich spreche hier nicht von „Made in China“! Ich schlage also ordentlich zu und genieße meinen Aufenthalt im Modehimmel. Mit vielen Einkaufstaschen und einem zufriedenen Lächeln auf den Lippen mache ich mich einige Stunden später wieder zurück zu meinem Apartment, um eine Kleinigkeit zu essen, bevor ich mich auf den Weg zu einem weiteren Highlight meiner Reise mache.

Gestärkt mache ich mich kurze Zeit später auf den Weg zur Subway, um den New Yorker Stadtteil zu besuchen, der für seine Musikgeschichte berühmt ist: Harlem. Dort werde ich mir ein Gospelkonzert ansehen, für mich ein MUSS in der Vorweihnachtszeit. Schon Jazzlegende Duke Ellington forderte 1940 in seinem Song „Take A Train“ die Menschen auf nach Harlem zu kommen. Ich habe deinen Text verstanden, lieber Duke und bin gleich da. An der Haltestelle „Washington Square Park“ steige ich in die A-Linie um, und mache mich auf den Weg nach Harlem.

Harlem ist ein Viertel im New Yorker Stadtteil Manhattan, nördlich vom Central Park. Harlem ist das Zentrum der afroamerikanischen Kultur in den USA.

Im Jahre 1658 wurde die damals noch ländliche Siedlung Harlem gegründet. Viele Jahre später bauten Sklaven eine Straße, die das Dorf Harlem mit der Stadt New York verbinden sollte. Diese Straße ist der heute weltberühmte Broadway.

In den 1920er und 1930er Jahren wurde Harlem von sehr vielen wohlhabenden Menschen bewohnt und es galt als besonders chic die Clubs von Harlem zu besuchen. Dadurch, dass Harlem sehr dunkelhäutig geprägt war, wurden viele afroamerikanische Künstler angelockt und man konnte in dem bekannten Apollo Theater Jazzlegenden wie Louis Armstrong, Duke Ellington oder später auch die Jackson 5 live erleben. In den 60er und 70er Jahren kam dann plötzlich der totale Umschwung. Besonders nach dem Attentat auf Martin Luther King wurden die Konflikte in diesem Stadtteil immer ernster. Bis in die frühen 90ziger wollte kaum ein Anleger Kapital in dieses Viertel investieren. Der Alltag in Harlem war geprägt von Gewalt, Verfall, Drogen und Prostitution. Es war zum Teil sogar so schlimm, das Geschäfte schließen mussten, weil alles geplündert wurde und kaum einer mehr einen Fuß in dieses Viertel setzen wollte.

Ab Mitte der 1990er  Jahre hat sich dann eine Menge verändert. Viele Bewohner taten sich mit Investoren zusammen und so wurden auf alten Abrissflächen Spielplätze gebaut, die alten, wunderschönen Brownstone Häuser wurden renoviert und viele stylische Cafés und Restaurants feierten Wiedereröffnung.

Auch heute noch präsentiert Harlem stolz seine afroamerikanischen Wurzeln. Hier gibt es viele Soul Food Restaurants, Kirchen und Moscheen, Jazzclubs und Gospelkonzerte. Mittlerweile hat sich der Bezirk zu einem Trendviertel in New York entwickelt, was man auch an den immer höher steigenden Immobilienpreisen erkennen kann.

Auch wenn der Ruf von Harlem aus den 1970 und 1980er Jahren bei den meisten Menschen leider noch hängen geblieben ist und ein Besuch des Stadtteils von vielen Touristen immer noch gemieden und als gefährlich bezeichnet  wird, habe ich mich dazu entschlossen mir ein eigenes Bild zu machen. Außerdem wurde in vielen Reiseführern darauf hingewiesen, dass man nach Harlem bedenkenlos fahren kann und auch Sophie meine Gastgeberin arbeitet dort und bestätigte, dass ich mir wirklich keine Sorgen zu machen brauche. Und gerade für einen Musikliebhaber wie mich ist ein Besuch in diesem Stadtteil mit so viel Musikgeschichte ein absolutes Muss.

In der Subway nach Harlem merke ich schnell dass ich wie auch in Bay Ridge alleine unter den New Yorkern bin. Von Touristen weit und breit keine Spur. Als ich an der richtigen Haltestelle angekommen bin, steige ich aus und gehe die Treppen zur Straße hoch. Oben angekommen bin ich erstmal leicht verwirrt, weil ich meine Orientierung verloren habe und sie erst wieder finden muss.

In welche Richtung könnte das Theater nun sein? Während ich kurz überlege spricht mich auch schon ein junger Mann mit Dreadlocks an und fragt ob er mir helfen kann. Ich frage ihn ob er vielleicht den Weg zum Dempsey Theater kennt. Er verneint, holt aber sein Smartphone raus und teilt mir mit, dass er das herausfinden wird. Über den Routenplaner bei Google Maps berechnet er den Weg und zeigt mir wo ich langgehen muss. Ich bedanke mich herzlich, mache mich auf den Weg und bin immer noch erstaunt über so viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Keine 10 Minuten später habe ich das Theater erreicht.

Das Theater ist fast komplett voll, die Show hat bereits begonnen. Ich werde schnell zu meinem Platz geführt, der aber schon belegt ist. Macht aber nichts, dafür darf ich jetzt auf einem freien Platz direkt in der ersten Reihe sitzen.

Die Mama Foundation of Arts unterstützt viele junge Künstler und es ist großartig zu sehen mit welcher Freude die jungen Leute auf der Bühne stehen. Die Aufführung ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem was wir von Chören aus Deutschland kennen. Hier ist Soul, Show, Entertainment.

Nach 90 Minuten ist das Konzert vorbei und ich mache mich pfeifend wieder zurück auf den Weg zur Subway. Meinen letzten Abend in New York werde ich mit einem leckeren Abendessen ausklingen  lassen. Ich betrete die Subway und steige an der Upper West Side wieder aus, um mich nun weiter zu Fuß auf dem Weg zu einem für mich sehr besonderen Restaurant zu machen.

Da die New Yorker Künstlerin Lady Gaga zu einer meiner absoluten Lieblingskünstlerinnen aus der heutigen Zeit zählt und ich natürlich weiß, dass ihr Vater ein gemütliches, italienisches Restaurant in New York besitzt, werde ich es mir nicht nehmen lassen genau dort zu speisen und so die Kochkünste der Familie Germanotta testen.

Nach einem kurzen Fußweg stehe ich direkt vor „Joannes Trattoria“. Joanne war im übrigen Ladys Gagas Tante, welche mit nur 19 Jahren verstorben ist. Da auch Joanne künstlerisch begabt war und Lady Gaga sich zu ihrer Tante, die sie niemals kennen gelernt hat, sehr verbunden fühlt, nannte sie ihr letztes Album nach ihr. Und Stefanis (so ist Lady Gagas bürgerlicher Name) Vater hat sein italienisches Restaurant eben nach seiner Schwester benannt.

Ich öffne die Eingangstür und freue mich über ein warmes und gemütliches Ambiente, das mich empfängt. Gleich am Eingang, direkt neben dem Kamin ist noch ein kleiner Tisch frei, zu welchen mich die freundliche Bedienung bringt.

Auf den Tischen brennen Kerzen, an der Wand hängen Familienbilder der Familie Germanotta und Zeitungsauschnitte von der Restauranteröffnung.

Ich bestelle mir eine Lasagne della Casa und genieße die romantische Atmosphäre. Im Restaurant läuft ruhige Musik, auf dem Fernseher, der über der Bar hängt ist die Geschichte vom berühmten Rentier Rudolph  zu sehen. Hinter mir höre ich das Kaminfeuer knistern und als ich aus dem Fenster vor mir schaue, zeigen sich mir dicke Schneeflocken, die tänzelnd zu Boden gleiten. Ich fühle mich wieder wie in einem Weihnachtsmärchen.

Während ich mir als Nachspeise ein köstliches Tiramisu auf der Zunge zergehen lasse, überlege ich ob ich mich anschließend auf den Weg nachhause mache oder vielleicht doch noch als krönenden Abschluss eine Sightseeing Attraktion besuche. So hätte ich zumindest den Pass für zwei von drei bezahlten Attraktionen genutzt.

Mein Hals fühlt sich nach dem Essen auch etwas besser an, also sollte ich den Abend noch nutzen, um mir etwas anzuschauen.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass es 9 pm ist, bei uns sagt man ja eher 21:00 Uhr. Ich weiß ganz genau welche Attraktion ich um diese Uhrzeit noch besuchen könnte, denn ich habe noch eine kleine Mutprobe vor mir. Wenn man die Stadt New York besucht, die u. a. für ihre Wolkenkratzer bekannt ist, sollte man auch einmal ganz oben gewesen sein, um die gigantische Aussicht über die Stadt zu genießen.

Für jemanden wie mich, der unter einer ziemlichen Höhenangst leidet, ist der Besuch einer solchen Aussichtsplattform aber nicht ganz so einfach. Habe ich doch schon zuhause in Deutschland mir die einzelnen Aussichtsplattformen der verschiedenen Wolkenkratzer im Internet angesehen und miteinander verglichen und zwar vor dem Hintergrund: Wo ist es wohl für Menschen mit Höhenangst am „sichersten“? Für mich persönlich ist  bei meiner Auswertung dann das Empire State Building rausgekommen, welches so ganz nebenbei ja auch das bekannteste und meiner Meinung nach das schönste Hochhaus der Stadt ist.

Ich kann mir vorstellen, dass der Ausblick dort bei Nacht noch interessanter ist, wenn man das Lichtermeer beobachten kann. Die Aussicht auf die beleuchtete Stadt wäre sicherlich ein weiteres Highlight meiner Reise. Ich darf nur nicht an die langen Wartezeiten von zwei Stunden oder mehr denken, die meinen Entschluss sicher nicht bestärken würden. Für einen Menschen, der Höhenangst hat sind zwei Stunden Wartezeit die Hölle, da das Hirn sämtliche Horrorszenarien durchspielt, immer und immer wieder …

Ich beschließe also erstmal online nachzusehen wo sich das Empire State Building überhaupt befindet. Außer der Adresse finde ich noch einen Live Ticker, der mir anzeigt, das jetzt gerade weniger los sein soll, als normalerweise zu dieser Zeit. Das klingt natürlich für mich schon ein bisschen verlockend.

Ich bezahle bei der netten Bedienung meine Rechnung und mache mich auf den Weg zur nächsten Subway Station.

Leider weiß ich nur nicht genau wo ich überhaupt Aussteigen muss und auf meinem Subway Plan sind zwar auch ein paar Gebäude eingezeichnet aber nicht das Empire State Building.

Nach unzähligen Verhandlungen mit meinem Verstand, ob ich nun einfach in meiner Komfortzone bleibe und nachhause fahre oder doch das Mädchen neben mir nach dem Weg frage, spreche ich meine Sitznachbarin letztendlich an. Insgeheim hoffe ich, dass es ein weiter Weg ist und ich mich somit entscheiden kann die Tortour nicht auf mich nehmen zu müssen. Ihre Antwort jedoch, wo sich das Empire State Building befindet ist sehr eindeutig: Nächste Haltestelle aussteigen und dann nur 5 Minuten Fußweg … Das ist ein klarer Auftrag an mich!

An der nächsten Haltestelle verlasse ich die Bahn und mache mich auf in Richtung Empire State Building. Dieses gigantische Gebäude kann ich ja nicht übersehen, denke ich mir. Zehn Minuten später bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, da ich es einfach nicht finden kann. Alle Gebäude sind sehr hoch und eine beleuchtete Spitze, wie es das Empire State Building hat, kann ich nirgends erkennen. Während ich leicht hektisch in alle Richtungen Ausschau halte, lese ich plötzlich direkt vor mir an der Hauswand den Schriftzug Empire State Building und stelle fest, dass ich die ganze Zeit direkt davor stehe.

Ich blicke die Gebäudefassade hoch und sehe dass sie in den Wolken verschwindet. Das Gebäude ist 381 m hoch und ich kann die Spitze nicht sehen. An der Tür steht eine lange Schlange. Das könnte für mich noch das Argument sein, doch nicht hoch zu müssen. Ich spreche eine Dame an und frage sie ob es hier zur Aussichtsplattform des Empire State Buildings geht. Sie verneint und erklärt mir, dass ich dafür noch die Straße ein bisschen weiter runterlaufen müsse.

Soll ich jetzt erleichtert sein, oder kommt die Höhenangst wieder durch?

Am „richtigen“ Eingang angekommen öffne ich die Tür und stehe in einem wunderschönen Foyer aus Marmor, das weihnachtlich dekoriert ist. Ich bin etwas verwundert, dass nur vier Leute im Foyer stehen und spreche den Herrn der Security an, ob ich hier richtig bin. Er bestätigt mir, dass ich absolut richtig bin und deutet mit seinem Arm auf eine Treppe, wo es zur Sicherheitskontrolle und der Kasse geht. Ich steige die Treppe hinauf und bin sehr gespannt was für eine Schlange mich gleich erwartet. Oben angekommen sehe ich sehr viele Warteschlangen-Absperrungen aber keine Menschen.

Erst vor der Sicherheitskontrolle stehen lediglich 4 Wartende. Ich bin immer noch skeptisch und frage mich wieso kein Mensch aufs Empire State Building will. Es ist doch schließlich das Wahrzeichen der Stadt, wo die Aussichtsplattform eigentlich immer überfüllt ist und jeder versucht einmal kurz nach vorne an die Brüstung zu kommen, um diesen spektakulären Ausblick auf seiner Kamera festzuhalten.

Nachdem ich durch die Sicherheitskontrolle bin, lege ich meinen New York Explorer Pass an der Kasse vor. Die Dame schaut mich an und fragt mich ob ich mir wirklich sicher bin, heute die Plattform des Empire State Buildings zu besuchen, da durch den Schneefall absolut keine Aussicht oben ist.

Da ich jedoch morgen Abreise und jetzt die letzte Möglichkeit ist,  bejahe ich ihre Frage. Wie ich erst viel später feststellen sollte, stempelte sie meinen Pass mit einem traurigen Smiley ab, wo drunter stand: No view!

Auf dem Weg zu den Aufzügen gehe ich durch eine kleine Ausstellung, in der die Geschichte des Empire State Buildings vorgestellt wird. 1931 im Art déco Stil gebaut war das Empire State Building bis 1972 das höchste Gebäude der Erde. Dann wurde es vom Nordturm des World Trade Centers abgelöst. Nach den Terroranschlägen vom 11. September war es wieder das höchste Gebäude New Yorks, bis es im Mai 2013 von dem 541 m hohen One World Trade Center übertroffen wurde.

Besonders hervorzuheben ist der schnelle Bau des Empire State Buildings, das sich im Übrigen von Empire State, dem Spitznamen des Bundesstaates New York ableitet. In nur 20 Monaten wurde das 381 m hohe Gebäude fertig gestellt. Auf der Baustelle waren 3400 Bauarbeiter tätig, im September 1930 wurden sogar binnen 10 Tagen, 14 neue Stockwerke fertig. Die 8 Kräne, die den Stahl nach oben hoben, mussten nach einigen Etagen immer wieder zerlegt und in den Geschossen weiter oben erneut zusammenmontiert werden. Der vom Bauherrn beauftragte Fotograf Lewis Hine sollte die Arbeiter während der Bauphase fotografieren. Die Bilder wurden so bekannt, dass sie auch viel in Film und Werbung eingesetzt wurden.

Nach der Eröffnung wurden bis in die 1950 Jahre nur die unteren Büros bezogen, die oberen Etagen standen leer. Das Gebäude wurde von den New Yorkern daher auch „Empty State Building“ genannt.

Am 28. Juli 1945 flog ein Flugzeug aufgrund von schlechter Sicht verursacht durch Nebel auf Höhe des 78. Stockwerkes in das Gebäude. 14 Menschen starben. Das Empire State Building erhielt aber nur kleine Schäden und wurde am nächsten Tag wieder eröffnet.

Das Empire State Building gilt bis heute als „Inbegriff des Wolkenkratzers“ was auf die vielen Darstellungen in Film und Fernsehen zurückführt.

Seit 1964 wird die Spitze, sowie die beiden höchsten nach innen versetzten Gebäudeteile bei Einbruch der Dunkelheit mit einem weißen Licht angestrahlt. Zu verschiedenen, besonderen Anlässen leuchtet das Wahrzeichen New Yorks in den unterschiedlichsten Farben, wie zum Beispiel rot-grün zur Weihnachtszeit, orange an Halloween oder rot an Valentinstag.

Fasziniert von der spannenden Geschichte und Bauphase des Gebäudes mache ich mich auf den Weg zu den Aufzügen. Ein netter Mann in schwarzer Uniform begrüßt mich und bringt mich zu meinem ganz eigenen Fahrstuhl. Er wünscht mir viel Spaß und teilt mir mit dass es nun in den 80. Stock geht. Die Türen schließen sich und es geht los. Da stehe ich nun alleine im Fahrstuhl und merke, wie ich innerlich plötzlich ein ganzes mulmiges Gefühl bekomme. Die Fahrstuhldecke über mir besteht aus einem Bildschirm worauf bei der Fahrt nach oben gezeigt wird, wie das Gebäude gebaut wurde und ich sozusagen während der Bauphase hochfahre. Das ist definitiv zu viel für mich. Ich setze mich auf den Fahrstuhlboden und schaue überall hin, nur nicht nach oben auf den Bildschirm. Plötzlich spüre ich einen Druck auf den Ohren, der mir verrät, dass ich mich bereits sehr hoch befinden muss.

Kurze Zeit später öffnet sich die Fahrstuhltür und ein netter, junger Mann strahlt mich an. Er bringt mich zum nächsten Fahrstuhl, wo ich nun mit zwei netten Asiatinnen zusammen einsteige, um die letzten 6 Stockwerke bis zur Aussichtsplattform hochfahren.

Im 86. Stock angekommen begrüßt mich ein dunkler Marmorboden, es sieht hier wirklich sehr geschmackvoll aus. Zur linken und zur rechten Seite führen jeweils ein paar Stufen hoch, von wo aus man zu den großen Fensterflächen und zu den Glastüren kommt, welche auf die Plattform nach draußen führen.

Ich sehe wirklich nichts, außer einer weißen Wand aus Schnee und Nebel. Und kein Mensch weit und breit. Die beiden Asiatinnen öffnen die Tür nach draußen zur Plattform und ich folge ihnen. Draußen verschwinden sie um die Ecke und da stehe ich nun: Christine, allein auf der Aussichtsplattform des Empire State Buildings.

Der Wind pfeift mir um die Ohren, es ist hier oben eisig kalt. Neben mir sehe und höre ich plötzlich zwei Männer, die den Schnee von der Plattform schippen. Die beiden tun mir wirklich leid, bei diesem Wetter hier oben arbeiten zu müssen. Ich frage einen von ihnen höflich, ob er ein Foto von mir machen könne und gebe ihm meine Kamera. Der freundliche Herr tut mir den Gefallen und so gelange ich an ein Foto, aber es sollte nicht das einzige Foto von hier oben sein …

Da mir kalt ist und ich keinen Grund sehe, hier weiter auszuhalten gehe ich wieder ins Gebäude. Ich mache mich gerade wieder auf den Weg Richtung Fahrstuhl, als ich plötzlich Saxophonklänge höre. Ich lausche, aus welcher Ecke die Musik kommt und folge den Klängen. Auf der anderen Seite der Plattform sehe ich ihn: Es ist ein etwas älterer Herr, der auf einem Hocker sitzend Saxophon spielt.

Ich bin überrascht, da ich gelesen habe, dass im Sommer abends Jazzmusiker auf der Plattform spielen. Diese Vorstellung finde ich total romantisch. Allerdings stand in dem Artikel auch, dass die Jazzmusik im Winter nicht stattfindet.

Ich komme mit dem Saxophon- Spieler, der Will heißt ins Gespräch und er erzählt mir seine spannende Geschichte, wie er von Australien nach New York gekommen ist.

Ich erstehe von Will seine eigene Platte, als sich noch eine Mutter mit ihrer Tochter zu uns gesellen. Wir unterhalten uns alle nett, bis die Mutter Will den Saxophone Spieler fragt, ob er nicht New York, New York von Frank Sinatra für uns spielen könne. Er willigt ein und meine Augen fangen an zu leuchten, da ich zu diesem Lied eine ganz besondere Verbundenheit habe.

Da neben dem Thema Immobilien und Inneneinrichtung auch die Musik eine große Leidenschaft von mir ist, hatte ich in diesem Jahr ein paar kleinere Auftritte, u. a. mit genau diesem Song. Dass ich diesen Song nun live am Saxophone auf dem Empire State Building hören darf, ist für mich natürlich ein ganz besonderes Erlebnis.

Will beginnt zu spielen und ich schmelze förmlich dahin. Zuerst genieße ich nur den Moment, dann zücke ich doch mein Handy hervor und nehme einen Teil auf. So kann ich mir den Moment auch noch zuhause anhören und sicherstellen, dass ich das auch wirklich erlebt habe.

Dann geschah das Unglaubliche:

Gerade als wir zu den letzten Tönen des wunderbaren Songs applaudieren verschwand der Nebel und New York zeigte seine Abendbeleuchtung. Auch New York hat wohl den Klängen von Wills wunderbaren Saxophonspiel gelauscht und belohnt ihn und uns mit dieser wunderbaren Weitsicht.

Ausblick auf das beleuchtete New York

Ausblick auf das beleuchtete New York

Selbst Hollywood hätte diese Momente nicht besser in Szene setzen können. Ich darf das Lichtermeer New Yorks von oben erleben und meine Höhenangst scheint in diesem Augenblick nicht mehr vorhanden zu sein.

Danke, Will für deine Beziehung zum Wettergott! 

I want to wake up
In a city that doesn’t sleep
And find I’m king of the hill
Top of the heap

Jetzt weiß ich ganz genau, was mit den Zeilen gemeint ist. Hier oben fühlt man sich wirklich wie ein König auf dem Berg und die Stadt, die niemals schläft liegt einem zu Füßen. Ich schnappe mir meine Kamera und fotografiere diesen unglaublichen Moment.  Sofort muss ich an die berühmte letzte Szene aus dem Film „Schlaflos in Seattle“ denken. Die Szene, wo Annie und Sam auf dem Empire State Building das erste Mal aufeinander treffen. Jetzt ist es ähnlich, aber viel intensiver, als im Film …

Nach insgesamt 1,5 Stunden über den Wolken mit netten Gesprächen, Musik und diesem magischen Ausblick begebe ich mich wieder Richtung Fahrstuhl und mache mich auf den Weg Richtung Erde.

Unten angekommen kaufe ich mir im Souvenirshop noch das Empire State Building in Miniatur. Immer wenn ich es auf meiner Fensterbank erblicke, denke ich wieder zurück an diese magische Nacht. UND: Es ist es ein Symbol für die Besiegung meiner Höhenangst. Die habe ich nämlich, wie ich später feststellte komplett auf der Plattform zurück gelassen.

Es ist 0:30 Uhr als ich mit der U-Bahn zurück nach Bay Ridge fahre. Auch hier wird mir nochmal bewusst, dass diese Stadt wirklich niemals schläft. Ist es doch um diese Uhrzeit so voll wie zur Tageszeit in Hamburg.

In meinem Apartment angekommen lasse ich mich mehr oder weniger direkt aufs Bett fallen und sinke umgehend in das Land der Träume. Viele dieser Träume sind für mich in dieser Stadt wahr geworden.

Wie ich meinen letzten Tag in der magischen Stadt verbringe und wieso ich noch spontan einen zweitägigen Zwischenstopp in London einlege, erfahrt ihr in meinem nächsten Blogartikel, wenn es heißt: Christine, allein in New York Teil 5.

Ich hoffe, dass ihr ein wenig Spaß bei meinen Ausführungen hattet und dass auch ihr ein wenig den „magic moment“ miterleben konntet … 

Eure Christine

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Die Berufsbezeichnung Immobilienmakler ist uns allen ein Begriff. Seit meiner Kindheit habe ich ein besonderes Verhältnis zu schönen Dingen, speziell zu außergewöhnlichen Häusern. Ich machte diese Leidenschaft zu meinem Beruf und habe nicht das Gefühl nur eine Immobilie zu verkaufen, sondern auch das damit verbundene Lebensgefühl. Mein Name ist Christine Simon und ich betreue Menschen, die ein neues Zuhause in gute Hände geben möchten, und solche, die einen neuen Ort suchen, der ihr Lebensmittelpunkt sein wird. Warum ich betreue schreibe? Weil mit einem Verkaufsgespräch bereits eine vertrauensvolle Verantwortung beginnt ...

Ein Kommentar

  1. Matthias

    am   schrieb 

    Lieben Dank, Christine, für diesen magischen Sonntagsausflug am 3. Advent nach New York….auf solche magic moments warten andere ein Leben lang vergebens…Du hast fantastische Erlebnisse dort gehabt und deine Leser eins zu eins daran teilhaben lassen.
    Ich freue mich auf die Fortsetzung!
    Liebe Grüße
    Matthias.

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